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Vor mehr als 1000 Jahren gründete  Harfagri (Harald Schönhaar) das norwegische Königreich. In vorderster Reihe seines Heeres kämpften kräftige, junge Männer – die Berserker.

Ihr Leben weihten sie Kriegsgott Odin. In der Entscheidenden Schlacht im Bocksfjord, bei Stavanger, standen Sie auf dem Vorderdeck der Schiffe, „bissen vor Wut in Ihre Schilde und stürzten sich auf die gegnerischen Krieger. Wurden Sie von Speeren getroffen, schienen sie keinen Schmerz zu spüren, sondern kämpften besessen weiter.

Als die Schlacht gewonnen war, sanken die Kämpfer in einen tiefen Schlaf“.

Das berichtete Thorbjörn Hornklofi, ein Teilnehmer der Schlacht.

 

Auch in der Ynglinga-Saga, dem Werk des Dichters Snorri Sturluson, tauchen sie auf:“Odins Männer gingen ohne Panzer in den Kampf, sie waren wild wie Wölfe. Stark wie Bären bissen sie in Ihre Schilde. Sie erschlugen Ihre Feinde, aber sie selbst verwundete weder Feuer noch Schwert, das nennt man Berserkerwut.“

Es fällt auf, das alle Beschreibungen die Berserker als Krieger schildern, die mit geradezu magischer Leidenschaft kämpften.

 

Das Wüten der Berserker ist sprichwörtlich geworden.

Tüchtige Kämpfer verfolgen mit „Verbissenheit“ ihr Ziel – dennoch weiß man nur wenig über jene, die in den Bärenfellen stecken und das gibt Anlass für allerlei Spekulationen.

 

Professor Kurt Schier, Leiter des Institutes für nordische Philologie an der Uni München:“ die Schriftlichen Zeugnisse stammen nicht aus der Zeit Harald Schönhaars, sondern wurden erst viel Später aufgeschrieben.

So wurde der Bericht des Augenzeugen Thorbjörn Hornklofi im 12.Jhd niedergeschrieben.

300 Jahre nach der Schlacht. Die Historischen Quellen sind rar und nicht hundertprozentig zuverlässig. Es ist nicht einmal sicher, woher der Name stammt.

„SERKR“ bedeutet in der altnordischen Sprache „Hemd“.

Die Silbe „BER“ kann entweder von „BERSI“ (Bär) kommen oder von „BERR“ (nackt).

Ein Berserker ist also entweder jemand, der das Bärenhemd trägt, oder jemand, der mit nacktem Oberkörper kämpft.

Das ist ein bedeutsamer Unterschied. Wenn die Berserker einfach nur „oben Ohne“ in den Kampf zogen, wäre das nichts Ungewöhnliches.

TACITUS berichtet nämlich, das die Soldaten der germanischen Hilfstruppen traditionell mit nacktem Oberkörper kämpften.

Wenn sich die Berserker dagegen in Tierfelle gekleidet haben – was die meisten Forscher vermuten – dann wäre das schon etwas Besonderes.

Es wäre typisch für Norwegen und Island.

 

„Bärenkulte waren früher weit verbreitet“, erklärt der Münchener Ethnologe Prof. Hans-Joachim Paproth. „Schon auf steinzeitlichen Felszeichnungen finden wir Darstellungen von Tänzern in Bärenfellen“. Den Grund nennt der Wiener Altgermanist Prof. Otto Höfler: „der Tierkleidung haftet etwas Mystisches an. Die Maskierung wurde von den Zuschauern, als auch vom Maskierten, als Verwandlung erlebt. Wenn sich ein Krieger in ein Bärenfell kleidete, ging die Kraft des wilden Tieres auf ihn über.

Das Berserkertum lässt sich als die nordische Sonderentwicklung eines Tiermaskenbrauchs beurteilen, der in uralten Maskenkulten wurzelt.“

 

Odin ist aber auch der weiseste aller Götter. Ein Meister der Magie, begleitet von Wölfen und Raben – den Tieren des Schlachtfeldes. Wenn er in Asgard thront, sitzen ihm die Wölfe GERI & FREKI (die „Geringen“) zu Füßen und die Raben HUGIN & MUNIN (Gedanke und Erinnerung) berichten ihm die Geschehnisse der Welt.

Der vermutete Glaube der Berserker an „Tiergeister“ ist nicht ungewöhnlich. Wenn ein Geist von einem Körper Besitz ergreift, dann ist es tatsächlich möglich, dass der Betroffene weder Schmerz noch Müdigkeit fühlt.

 

Rauschartige Zustände, Tobsuchtsanfälle und anschließende Müdigkeit könnten auch von chemischen Substanzen hervorgerufen worden sein, z.B. durch das Fliegenpilzgift Muscimol.

Heute ist bekannt, dass Patienten mit einer Fliegenpilzvergiftung wild um sich schlagen und häufig Wahnvorstellungen haben. In Pflegern und Ärzten sehen sie Fabelwesen und Geister. Die toxische Wirkung hält 20 Std. an, dann fallen die Betroffenen in einen Tiefschlaf, aus dem sie meist erst nach 30 Std. wieder erwachen.

 

„Die legendäre Stärke der Berserker war die Folge einer vererblichen Krankheit“, meint der amerikanische Mediziner Prof. Jesse L. Byock. Der isländische Dichter Egil soll bösartig und unbesiegbar gewesen sein, wie schon sein Vater und sein Großvater. Sein Kopf soll so massiv gewesen sein, dass er sich nach Egils Tod selbst mit der Axt nicht spalten ließ.

 

Die Beschreibungen deuten darauf hin, dass die Egil-Familie am „Paget-Syndrom“ litt, einer Erbkrankheit, bei der das Wachstum der Knochen außer Kontrolle gerät. Prof. Byock: „ Menschliche Knochen erneuern sich. Die biologische Substanz wird etwa alle acht Jahre vollständig ersetzt. Die Krankheit allerdings erhöht das Tempo von Abbau und Neubildung so stark, dass Knochenteile umstrukturiert, missgestaltet und erheblich größer als die ursprünglichen werden.“

 

Der französische Forscher G. Dumezil hat die deutschen paramilitärischen Organisationen aus der Zeit vor 1945, wie z.B. SA und SS, als psychologisch und sozial verwandte Erscheinungen angeführt. Die Berserker erscheinen in der Literatur oft paarweise, mehrfach auch zu zwölft. Sie wurden von einer ganzen Reihe altnordischer Könige als persönliche Leibwache gehalten. Würden sich die damaligen Herrscher wirklich mit Verrückten, Halbwahnsinnigen oder Unzurechnungsfähigen umgeben haben? Gewiss nicht, auch hier wären eher die Tüchtigsten zu finden gewesen.

 

Aus der Gold-Saga um den Dänenkönig Hralf Krake (Prosa-Edda 198) gehen die Namen der zwölf Berserker hervor, welche die Leibwache des Königs bildeten: BÖDWAR-BJARKI-HIALTI-HOCHGEMUT-ZWITSERK KÜHN-WÖRT-WESETI-BEIGUD  und die BRÜDER SWIPDAG.

Schon TACITUS erwähnt eine eigenartige Kriegerkaste, die er „HARIER“ nennt und die fast alle Kennzeichen der Berserker tragen, und das immerhin schon 800 Jahre vor der Schlacht im Bocksfjord: „Abgesehen von ihrer Macht sind sie trotzige Krieger. Schwarz sind ihre Schilde, bemalt ihre Körper, dunkle Nächte suchen sie zu Kämpfen aus und jagen schon durch das grauenvolle Dunkel ihres Heeres den Gegnern Schrecken ein. Hält ja doch kein Feind dem ungewohnten und gleichsam höllischen Anblick stand“ (Germania 43. Kapitel).

 

Zweihundert Jahre nach der Schlacht im Bocksfjord fielen christliche Missionare in Skandinavien ein.

Die alten Sitten und Gebräuche wurden verboten, insbesondere die brüllenden Kämpfer in den Tierfellen. In Island wurde 1123 ein Gesetz erlassen, in dem es heißt: „Wer sich in Berserkerwut versetzt, wird mit drei Jahren Verbannung bestraft“. Von da an sind die Männer in den Bärenfellen spurlos verschwunden.

 

 

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